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Erwachsene und AD(H)S: Diese Symptome sollten Sie kennen

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (AD(H)S) hat viele Gesichter. Nicht nur Kinder können von AD(H)S betroffen sein, sondern auch Erwachsene. Welche Symptome für eine AD(H)S im Erwachsenenalter sprechen, wie sie behandelt werden kann und wie Sie lernen können, mit den Symptomen im Alltag zu leben, erfahren Sie hier.

Erwachsene und AD(H)S: Diese Symptome sollten Sie kennen
Foto: iStock/skynesher

Was viele nicht wissen, die AD(H)S wächst sich nicht aus und kann bis zum Erwachsenenalter fortbestehen. Wenn eine AD(H)S nicht bereits im Kindesalter festgestellt wurde, kann sich die Diagnose im Erwachsenenalter oftmals als schwierig erweisen.

AD(H)S wird durch eine fachärztliche Diagnose festgestellt. Es existiert kein Testverfahren, welches beweist, ob ein Mensch von AD(H)S betroffen ist oder nicht. Standardisierte Fragebögen, strukturierte Interviews oder neuropsychologische Testverfahren können Hilfsmittel sein.

Besonders wichtig ist es, den Betroffenen zuzuhören. Die Klärung der folgenden Fragen tragen neben vielen weiteren Aspekten zur Diagnoseerstellung bei: Traten die Symptome bereits in der Kindheit und Jugend auf? Welche Hinweise gibt es für eine kindliche AD(H)S? Welche Symptome von einer AD(H)S liegen momentan vor? Zu welchen Problemen und Einschränkungen führen sie? Wie hoch ist der Grad der Belastung?

Bei diesen Fragen ist es wichtig zu wissen, welche Symptome bei einer AD(H)S im Erwachsenenalter vorliegen können.

Die häufigsten Symptome für eine AD(H)S im Erwachsenenalter

Anne* ist 47 Jahre alt, sie litt jahrelang unter innerer Unruhe, emotionalen Ausbrüchen und hatte das Gefühl, ständig überfordert zu sein. Ihr Arzt verschrieb ihr Antidepressiva, doch die Tabletten brachten in ihrem Fall keine Besserung. Erst nach einem Arztwechsel bekam die Bürokauffrau die richtige Diagnose: Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung.

Dieses Szenario müssen viele Betroffene durchleben, da AD(H)S oftmals mit anderen psychischen Leiden wie beispielsweise Depressionen oder bipolarer Störung verwechselt und somit fehldiagnostiziert wird.

Die Hauptsymptome einer AD(H)S sind:  

  • Aufmerksamkeitsdefizit

  • Impulsivität

  • Hyperaktivität

 

Die Begleitsymptome einer AD(H)S können sein:

  • Innere Unruhe

  • Verzetteln

  • Unordnung im Haushalt

  • Stimmungsschwankungen

  • Geringes Selbstwertgefühl

  • Kaufsucht

  • Schwierigkeiten in sozialen Beziehungen

  • Häufiges Zuspätkommen

Wichtig zu wissen ist, dass die Haupt- und Begleitsymptome nicht bei jeder betroffenen Person im gleichen Ausmaß auftreten. Außerdem gestaltet sich die Diagnostizierung bei Frauen besonders schwierig, da sie im Gegensatz zu Männern seltener an Hyperaktivität und auffälligem Verhalten leiden. Frauen mit einer AD(H)S ziehen sich eher sozial zurück, haben Ängste und verlieren sich in Tagträumen.

Ist dies der Fall, handelt es sich oftmals um eine ADS (Aufmerksamkeitsdefizitstörung) und keine AD(H)S. Das kann dazu führen, dass das Störungsbild bei Frauen sehr lange unerkannt bleibt. Außerdem kann AD(H)S im Erwachsenenalter mit psychischen Störungen wie Depressionen, Stimmungsschwankungen oder Suchtverhalten einhergehen.

Diese Initiative sorgt für mehr Sichtbarkeit der AD(H)S im Erwachsenenalter

Diese Initiative sorgt für mehr Sichtbarkeit
Foto: iStock/Ponomariova_Maria

Die Initiative „facettenreich“ möchte auf das Thema AD(H)S im Erwachsenenalter aufmerksam machen und die wichtigsten Fragen beantworten. Hier finden Sie beispielsweise weitere Symptome und Informationen über die psychische Störung AD(H)S.

Facettenreich beschäftigt sich mit den verschiedenen Gesichtern einer AD(H)S im Erwachsenenalter und gibt Betroffenen eine Stimme.

Wichtige Fakten und Beratungsstellen finden Sie unter: www.facettenreich.wunderweib.de.

Alltag und Partnerschaft

Wenn die Symptome einer AD(H)S für schwere Einschränkungen im Alltag oder in der Partnerschaft sorgen, sollte ärztliche Hilfe wie Hausärztinnen oder Hausärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten oder auch Selbsthilfegruppen in Anspruch genommen werden. Eine Psychotherapie kann helfen, um besser mit der AD(H)S-Symptomatik umzugehen. Zusätzlich gibt es einige Selbstmanagement-Tipps, die Ihnen den Alltag mit AD(H)S erleichtern können.

  • Aufgaben besser bewältigen

Vielen AD(H)S-Betroffenen fällt es schwer, Dinge zu Ende zu bringen. Was helfen kann: Halten Sie ihr Ziel zunächst schriftlich fest. Arbeiten Sie dann Teilschritte heraus, um das Ziel zu erreichen und schreiben Sie diese in der richtigen Reihenfolge auf. Anschließend entscheiden Sie, welche Schritte realistisch sind und wie viele Sie davon an einem Tag bewältigen können. Sie bestimmen Ihr eigenes Tempo, wie Sie ihrem Ziel Schritt für Schritt näherkommen.

  • Einschlafstörungen und Schlafprobleme mindern

Viele erwachsene AD(H)S-Betroffene klagen über innere Unruhe und Schlafstörungen. Fehlt einem ausreichend und erholsamer Schlaf, fällt am nächsten Tag vor allem die Konzentration schwer, man neigt zu Fehlern, die Frustration steigt und man hat das Gefühl, die AD(H)S hat einen noch mehr im Griff. Was helfen kann: Manifestieren Sie Abend-Rituale. Zeigen Sie ihrem Körper idealerweise immer zur gleichen Uhrzeit, wann es Zeit ist, zur Ruhe zu kommen. Zur Vorbereitung auf den Schlaf können Entspannungsübungen helfen, eine ruhige Minute mit einer Tasse Tee oder auch ein Buch.

  • Konzentration steigern

Betroffene, die sich schnell ablenken lassen, sich oftmals verzetteln und Probleme mit dem eigenen Zeitmanagement haben, kann eine „Timer-Technik“ helfen. Wenn Sie bestimmte Aufgaben zu erledigen haben, sei es im Berufsleben oder im Alltag, hilft es, einen Timer auf 15 Minuten zu stellen. In diesen Minuten konzentrieren Sie sich nur auf die zu erledigende Aufgabe. Danach können sie eine Pause einlegen und sich von der Aufgabe ablenken. Danach wiederholen Sie die 15 Minuten und erweitern diese immer weiter, wenn es die Konzentration zulässt.

Auch Partnerschaften sind für Betroffene oft nicht leicht, da nicht nur Sie selbst unter den Symptomen leiden, sondern auch die Partnerin oder der Partner. Hier können ebenfalls kleine Tricks im Alltag helfen, die in einer Beziehung von großem Wert sein können. Welche das sind, erfahren Sie hier: https://facettenreich.wunderweib.de/.

*Name von Redaktion geändert.