Erstmals in Deutschland nachgewiesen

Gamma-Variante: Das ist über die neue Corona-Mutante bekannt

Lange Zeit war nur die Alpha-Variante im Gespräch, doch mittlerweile verbreiten sich in Deutschland mehrere Corona-Mutationen. Was bisher über die Gamma-Variante bekannt ist, lesen Sie hier.

Eine Frau mit Mundschutz wird geimpft.
Obwohl bereits viele Menschen in Deutschland gegen das Coronavirus geimpft wurden, bereiten neue Corona-Mutationen den Virologen zunehmend Kopfzerbrechen. Foto: iStock / lechatnoir

Die Corona-Zahlen in Deutschland sind noch immer beruhigend: Am Dienstag, 13. Juli 2021, lag der bundesweite Inzidenzwert laut Robert Koch-Institut (RKI) bei 6,5. Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem RKI binnen eines Tages 646 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Eine Woche zuvor lag der Inzidenzwert zwar noch bei 4,9, doch die Inzidenz unter 10 ist immer noch erstrebenswert.

Den größten Anteil bei den Neuansteckungen mit dem Coronavirus macht mittlerweile die als hochansteckend geltende Delta-Variante aus. Erstmals wurde nun in Deutschland auch die neuartige Gamma-Variante nachgewiesen.

Woher stammt die Gamma-Variante?

Zum ersten Mal wurde die Gamma-Variante - auch bekannt als Lineage P.1 oder Variante B.1.1.248 - im brasilianischen Manaus im Bundestaat Amazonas nachgewiesen. Es wird vermutet, dass dies im Oktober oder November vergangenen Jahres geschah. Zur gleichen Zeit stiegen die Corona-Infektionszahlen in dieser Region sprunghaft um fast 70 Prozent an. Auch eine höhere Sterberate wurde im Land verzeichnet. In einem Labor wurde die Mutation dann erstmalig im Januar 2021 in Japan nachgewiesen.

Nun trat die Gamma-Variante auch auf einem Schlachthof in Niedersachsen auf: Von 50 Infektionen konnten hierbei acht der Gamma-Variante und die restlichen der Delta-Variante zugeschrieben werden.

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Das Gesundheitsamt schätzt, dass beide Varianten durch Reiserückkehrer in den Landkreis Cloppenburg und so in das Umfeld des betroffenen Schachthofes gelangten.

Bislang war zumindest der Anteil an der Gamma-Variante bei Neuinfektionen in Deutschland sehr gering: Nach Angaben des RKI lag dieser bei unter einem Prozent. Doch in der Urlaubssaison, wenn viele Reisende aus Virusvariantengebieten zurück nach Deutschland kommen, könnte sich dieser Anteil vergrößern.

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Welche Merkmale weist die Gamma-Variante auf?

Man spricht von einer neuen Variante, wenn sich das Erbgut des Virus verändert hat. Interessant ist dabei vor allem die Veränderung der so genannten Spike-Proteine des Corona-Erregers: Damit sind die stachelartigen Eigenschaften des Virus gemeint, die es ihm ermöglichen, sich an menschliche Zellen zu binden und einzudringen.

Gefährlich ist dabei, dass Veränderungen der Spike-Proteine dazu führen können, dass das Virus den Menschen noch einfacher befallen kann. Bei der Gamma-Variante wurden 17 Veränderungen an der DNA-Sequenz beobachtet, zehn davon an den Spike-Proteinen.

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Wie ansteckend ist die Gamma-Variante?

Die Mutationen könnten Wissenschaftler*innen zufolge dazu führen, dass die Gamma-Variante 1,4 bis 2,2 ansteckender ist als bisher bekannte Varianten. Jedoch fehlt es noch an weiteren Studien, um diese Einschätzung zu festigen.

Eine höhere Ansteckungsrate wäre übrigens ebenfalls auf die Mutationen am Erbgut zurückzuführen: Beispielsweise können diese dazu führen, dass eine infizierte Person länger mit der Bekämpfung des Erregers beschäftigt ist und so auch potentiell mehr Zeit hat, andere Menschen anzustecken.

Was ist noch über die Gamma-Variante bekannt?

Forscher*innen gehen vorsichtig davon aus, dass die Gamma-Variante auch Menschen anstecken könnte, die bereits zweifach geimpft sind. Doch auch hier fehlen derzeit noch verwertbare Studien. Bisher verfügt das RKI nur über wenige experimentelle Daten, die eine geringere Wirksamkeit der Impfungen bei Kontakt mit der Gamma-Variante vermuten lassen.

Ohnehin ist es weiterhin empfehlenswert, das kostenlose Impfangebot der Regierung zu nutzen: So sind beispielsweise zweifach Geimpfte gegen eine Ansteckung beziehungsweise einen schweren Krankheitsverlauf mit der Delta-Variante sehr gut geschützt. Zudem könnte das Erreichen der Herdenimmunität in Deutschland dabei helfen, das Coronavirus langfristig einzudämmen.

Ein weiteres Merkmal der Gamma-Variante ist, dass es dem menschlichen Immunsystem durch bestimmte Mutationen besser entkommen kann. Mutanten mit solchen Merkmalen nennt man auch Escape- oder Flucht-Mutanten. Solche Varianten können auch Menschen infizieren, die bereits eine Infektion mit dem erstmals aufgetretenen Coronavirus überstanden haben oder eben vollständig immunisiert sind. Solche Varianten entstehen insbesondere in Zeiten wie jetzt, wenn bereits viele Menschen geimpft sind. Das Virus verspürt eine Art 'Selektionsdruck', um überhaupt bestehen zu bleiben. Doch noch ist nicht bekannt, ob und inwiefern die Gamma-Variante sich hierzulande - bereits mehr als 40 Prozent der Bevölkerung sind zweifach geimpft - überhaupt verbreitet.

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Wie wirksam sind die Impfstoffe bei der Gamma-Variante?

Auch hier müssen noch weitere Studien durchgeführt werden. Eine jüngst in England veröffentlichte Studie kam zu dem Ergebnis, dass sowohl die Impfstoffe von Astrazeneca als auch von Biontech so gut vor Gamma schützen wie vor Alpha. Eine Studie aus den USA kam jedoch zu einem anderen Ergebnis: Demnach schützten zumindest Biontech- und Moderna-Vakzine weniger gut gegen die Gamma-Variante.

Welche Symptome hat man bei der Gamma-Variante?

Noch gibt es zu den Symptomen keine zuverlässigen Aussagen. Im brasilianischen Manaus wurde zwar ein höheres Sterblichkeitsrisiko verzeichnet, jedoch kann dies auch zum Teil darauf zurückzuführen sein, dass die Gesundheitssysteme durch den schnellen Infektionsanstieg überfordert waren.

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