Erneutes Liebesglück

Margot Käßmann & Andreas Helm: "Die erste Liebe soll unsere letzte sein"

Nach ihrer Scheidung hätte Margot Käßmann (63) nicht mehr damit gerechnet, noch mal eine Beziehung einzugehen – bis sie nach 40 Jahren ihre Jugendliebe Andreas Helm (62) wiedertrifft.

Margot Käßmann bei Markus Lanz.
Foto: IMAGO / teutopress

Das Leben schreibt die schönsten Liebesgeschichten: Margot Käßmann (63) und ihr Lebensgefährte Andreas Helm (62) haben es selbst erlebt! Seit 2014 schon sind die beiden ein Paar, doch erst jetzt haben sie ihr Glück öffentlich gemacht. Das Besondere: Die Theologin und der Ingenieur waren bereits als Teenager ineinander verliebt – verloren sich zwischenzeitlich jedoch für über 40 Jahre aus den Augen. Im Februar 2014 trafen sie sich zufällig nach einem Vortrag von Margot Käßmann wieder. Dann ging alles ganz schnell: Die beiden wagten den mutigen Schritt und gingen erneut eine Beziehung miteinander ein. Für ihre neue Liebe pendeln sie zwischen Hannover, Gießen und Usedom, wo Bauer Stars & Stories das Paar besucht. Bei selbst gebackenem Birnenkuchen sprechen Margot Käßmann und Andreas Helm über ihr spätes Glück.

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Margot Käßmann und Andreas Helm im Doppelinterview

MEINS: Frau Käßmann, Anfang 2014 hielten Sie an der Universität Gießen einen Vortrag. Danach stand er plötzlich wieder vor Ihnen: Andreas, Ihre erste große Liebe mit 14 Jahren. Was ging in diesem Augenblick in Ihnen vor?

Margot Käßmann: Nach so einem Vortrag ist meist eine Menge los: Manche Leute möchten, dass ich Bücher für sie signiere, andere wollen einfach nur kurz mit mir reden. Er stand da und sagte: "Hallo, ich bin Andreas." In meinem Kopf ratterte es kurz – aber dann fiel auch gleich der Groschen, und ich habe mich wirklich gefreut, ihn nach all den Jahren wiederzusehen.

Andreas Helm: Ich hatte mich vorgestellt, weil ich befürchtete, sie würde mich nicht wiedererkennen. Eigentlich wollte ich mir nur ihren Vortrag anhören und hatte gar nicht vor, zu ihr nach vorn zu gehen und Hallo zu sagen. Ich zögerte, weil sich inzwischen eine Menschenschlange gebildet hatte. Normalerweise hätte mich das abgeschreckt – aber meine innere Stimme sagte: "Du gehst jetzt zu ihr hin." Ich wollte sie eigentlich nur mal wieder leibhaftig erleben und nicht im Fernsehen.

M. K.: Das war der mutige Schritt, der alles ins Rollen gebracht hat mit uns! Hätte er sich damals nicht getraut, säßen wir heute wahrscheinlich nicht zusammen hier.

40 Jahre hatten Sie keinen Kontakt. Haben Sie dennoch ab und zu aneinander gedacht?

M. K.: Die erste Liebe vergisst man nie! Die erste Aufregung, das erste Händchenhalten, der erste Kuss – ich hatte die Zeit mit Andreas immer in schöner Erinnerung.

A. H.: Für mich war Margot immer wieder präsent durch die Medien – an ihr kommt man fast nicht vorbei. In meinem Bekanntenkreis wussten alle, dass wir früher ein Paar waren. Wenn ich mal eine Sendung mit ihr verpasst habe, scherzten meine Freunde gleich: "Deine Bischofsfreundin war schon wieder im Fernsehen." (Lacht.)

Warum gehen Sie gerade jetzt mit Ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit?

M. K.: Wir hatten beide das Gefühl, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, unsere Geschichte aufzuschreiben. Unser Buch handelt nicht nur von unserer Paarbeziehung, sondern von den prägenden Erlebnissen unserer Generation – sozusagen ein Rückblick der Babyboomer, die inzwischen alt werden.

Denken Sie, dass der Schritt in die Öffentlichkeit Sie als Paar verändern wird?

M. K.: Ich denke, unser Zusammensein wird entspannter, weil sich niemand mehr fragen muss, wer der Mann an meiner Seite ist.

Buch-Tipp: Am 1. September 2021 erschien das neue Buch von Margot Käßmann, welches sie zusammen mit ihrer Jugendliebe Andreas Helm geschrieben hat.

Ihre Teenagerliebe endete 1974 abrupt, als Margot sich in einen 17-jährigen Jungen verliebte, der ein Moped fuhr. Wie war das für Sie, Andreas?

A. H.: In diesem Alter lassen Mädchen sich leicht beeindrucken: Der Junge fuhr eine flotte Kreidler Florett – ich hingegen besaß damals noch nicht mal ein Fahrrad und hatte nichts, womit ich hätte angeben können. Außerdem war er zwei Jahre älter als sie: Ich war 14, sie 15, er 17. Da hatte ich schlechte Karten!

M. K.: Wenn es dich tröstet: Ich habe den Jungen mit dem Moped danach nie wiedergesehen (lacht).

A. H.: Inzwischen habe ich mir übrigens auch einen Motorroller zugelegt, der auf Usedom steht und mit dem wir heute gemeinsam kürzere Strecken auf der Insel zurücklegen.

„Ich hätte mir im Traum nicht vorstellen können, dass es jemals wieder etwas mit uns werden könnte.“
Andreas Helm

Ihrer beider Leben weisen erstaunlich viele Parallelen auf: Sie waren beide 26 Jahre verheiratet, haben beide vier Kinder, zwei davon tragen die gleichen Vornamen, beide sind Sie Eltern von Zwillingen. Das klingt fast unheimlich, oder?

A. H.: Wir haben uns nicht abgesprochen! 40 Jahre lang hatten wir keinen Kontakt – es war in der Tat eine große Überraschung für uns beide, dass so viele Dinge ähnlich bei uns verlaufen sind.

M. K.: Bei unserem ersten Abendessen nach dem Wiedersehen kamen wir aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Wir hätten uns auch schon viel früher über den Weg laufen können, weil wir beispielsweise gleichzeitig bei vielen Kirchentagen anwesend waren. Es passierte aber nicht.

Sie glauben nicht an schicksalhafte Fügungen, aber denken Sie angesichts so vieler Zufälle nicht manchmal auch: Vielleicht sollte es so sein, dass wir uns erst im Alter wiederbegegnen?

A. H.: Als Margot damals mit dem anderen Jungen auf dem Moped davonrauschte, hätte ich mir im Traum nicht vorstellen können, dass es jemals wieder etwas mit uns werden könnte. Wenn in jenem Moment eine Fee gekommen wäre und gesagt hätte: "Hey, keep cool, alles nicht so schlimm. Du musst Geduld haben, in 40 Jahren hast du sie zurück", hätte ich wohl geantwortet: "Deine fiesen Späße kannst du mit anderen treiben."

M. K.: Ich glaube nicht, dass wir miteinander durchgehalten hätten, wenn wir damals zusammengeblieben wären. Ich kenne wenige Paare, deren Beziehung von frühester Jugend an bis ins hohe Alter hält.

Schauen Sie im Video, was eine gute Beziehung ausmacht: (Das Interview geht unter dem Video weiter)

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Man sagt "Aufgewärmte Liebe schmeckt nicht" – hat dieser Spruch Sie gar nicht abgeschreckt?

M. K.: Darüber haben wir uns gar keine Gedanken gemacht. In den USA ist es sogar Trend geworden, dass Menschen einen zweiten Versuch mit ihrer Jugendliebe wagen wollen. Es gibt wissenschaftliche Studien, dass eine zweite Ehe mit der Jugendliebe länger hält, weil ein besonderes Vertrauensverhältnis da ist und man sich schon sehr gut kennt. Für mich ist es viel leichter, mit jemandem zusammen zu sein, den ich kenne und der mich schon lange kennt. Andreas sieht mich nicht als 'die Bischöfin'. Unsere gemeinsame Vergangenheit macht alles viel entspannter. Wir wissen beide, wo wir herkommen, kennen die Familien des anderen.

Wie haben Ihre Kinder darauf reagiert, dass Sie ein Paar sind?

M. K.: Meine Töchter haben sich darüber gefreut, dass ihre Mutter wieder einen Partner hat. Sie mögen Andreas sehr.

A. H.: Auch meine Kinder sind glücklich mit der Situation. Margots Kinder und meine sind alle ungefähr im gleichen Alter und verstehen sich gut.

2019 erkrankte Margot Käßmann erneut an Brustkrebs

Im Buch reißen Sie in einem Nebensatz an, dass Sie 2019 ein zweites Mal an Brustkrebs erkrankten

M. K.: Ja, im August 2019 bin ich zur normalen Vorsorgeuntersuchung gegangen. Dabei wurden vier Knoten entdeckt. Andreas war für mich da und sagte damals zu mir: "Ich weiß nicht, ob ich alles richtig mache, aber ich werde es machen, so gut ich es kann.“ Für mich hat er alles richtig gemacht. Er hat mich zum Krankenhaus gefahren, war täglich da und hat mich versorgt. Das war ein Punkt, an dem uns beiden klar wurde, dass wir nicht planen können, was gesundheitlich alles auf uns zukommt.

Fühlte sich die zweite Krebserkrankung für Sie bedrohlicher an als die erste?

M. K.: Nein. Ich gehe mit dem Gefühl durchs Leben, dass ich die geschenkte Zeit so gut es geht gelebt habe. Die Jahre, die jetzt noch kommen, sind ein Bonus. Ich genieße sozusagen gerade "das Dessert des Lebens". Eine meiner Töchter war damals schwanger, und ich wollte gern noch mein siebtes Enkelkind sehen. Einerseits war ich traurig, andererseits auch sehr gefasst.

Wie sieht es aus mit dem Thema Heiraten? Möchten Sie Ihre Liebe nicht auch vor Gott besiegeln?

M. K.: Vor Gott gern, aber nicht vor dem Standesamt. Einen Trauschein brauchen wir beide nicht noch einmal. Ich war nur ein einziges Mal im Leben vor Gericht: Das war bei meiner Scheidung. Dort hieß es dann: "Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil: Ihre Ehe ist geschieden." Das fand ich sehr merkwürdig.

A. H.: Mir ging es bei meiner Scheidung ähnlich. Ich habe mich gefragt: Was hat das Volk mit meiner Ehe zu tun?

M. K.: Wir brauchen keine rechtliche Absicherung, um zu wissen, dass wir beide zusammen alt werden und füreinander sorgen wollen. Jeder würde den anderen pflegen, wenn es nötig wäre.

Die erste Liebe soll also Ihre letzte bleiben?

A. H.: Das ist der Plan.

M. K.: Sehe ich auch so. Es wäre auch ganz schön anstrengend, noch einmal einem neuen Mann mein ganzes Leben erzählen zu müssen (lacht).

Autorin: Christine Staab

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