Kritik an Bundesregierung

Corona-Impfstoff für Kinder zugelassen: Engpässe befürchtet

Nach dem Impfgipfel verkündete die Bundesregierung, dass auch Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren bald geimpft werden können. Doch ein zusätzliches Impfstoffkontingent wird es nicht geben.

Eine Dame erhält eine Impfung.
Die Bundesregierung verspricht Jugendlichen eine Impfung gegen Corona. Doch extra Impfstoff-Kontingente gibt es hierfür nicht. Foto: iStock / sanjeri

Nach dem Impfgipfel am Donnerstag verkündete Bundeskanzlerin Angela Merkel (66, CDU), was schon seit geraumer Zeit erwartet wurde: Jugendlichen ab zwölf Jahren soll ab dem 7. Juni ein Impfangebot gemacht werden.

EMA gab Biontech-Impfstoff erst später frei

Der Beschluss der Ministerpräsidenten und der Kanzlerin über die Impfung von Kindern war deshalb verwunderlich, da die Altersgruppe der Kinder ab zwölf Jahren von der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) am Donnerstag noch gar nicht freigegeben war.

Diese verkündete ihre Entscheidung erst einen Tag später am Freitag. Ursprünglich war die Zulassungsentscheidung sogar erst für den Juni erwartet worden, die EMA hatte das Verfahren jedoch beschleunigt. Die EMA verkündete aber letztendlich, den Impfstoff Biontech / Pfizer auch für Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren freizugeben.

Hoffnungen könnten enttäuscht werden

Doch die Hoffnungen, die die Bundesregierung bei den Bürgern schürt, könnten enttäuscht werden. Dies bekräftigt etwa Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD): "In den letzten Wochen wurde der Eindruck erweckt, als ob wir mit zusätzlichem Impfstoff eine extra Kampagne für die Kinder und Jugendlichen machen könnten", sagte der Politiker in der ZDF-Sendung 'Maybrit Illner'.

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Inzwischen sei klar, dass das Bundesgesundheitsministerium dabei zu viel versprochen habe. Noch immer gebe es zu wenig Impfstoffe und auch wenn die Priorisierung in Deutschland aufgehoben werde, seien Kinder nicht umgehend an der Reihe mit ihren Impfterminen.

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Es gibt kein zusätzliches Kontingent an Corona-Impftsoffen

Obwohl noch nicht alle Menschen, die zur Risikogruppe zählen, ihr Impfangebot bekommen haben, soll die derzeit noch bestehende Impfpriorisierung am 7. Juni bundesweit aufgehoben werden.

Für Schüler*innen gibt es aber kein zusätzliches Kontingent an Impfstoffen - vielmehr soll für ihre Impfung das Kontingent der Hausärzte*innen genutzt werden. Experten fürchten bereits, dass die Impfkampagne in Hausarztpraxen dadurch drastisch ins Stocken geraten könne.

Denn: Hält die Bundesregierung den begehrten Biontech/Pfizer-Impfstoff für Jugendliche zurück, werden Arztpraxen im Juni im Schnitt nur 24 Impfdosen in der Woche erhalten. Ärzte*innen würden sich dann wahrscheinlich dazu entscheiden, das Impfen komplett einzustellen.

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Kritik von allen Seiten

Mahnende Worte kamen auch vom Deutschen Städtetag: Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy sagte den Funke-Zeitungen: "Der Impfstoff ist im Moment so knapp, dass er gerade einmal für die Zweitimpfungen reicht." Bis jeder, der es wünsche, geimpft werden kann, würden noch Wochen vergehen.

Empfehlung der Stiko fehlt noch

Und dies ist nicht die einzige Hürde. Auch die Ständige Impfkommission (Stiko) wird nicht sofort entscheiden, ob sie eine Empfehlung für die Impfung von Jugendlichen ausspricht. Es wird vermutet, dass es seitens der Stiko zunächst nur eine entsprechende Empfehlung für vorerkrankte Kinder geben wird. Stiko-Mitglied Martin Terhardt sagte in einem Interview mit dem 'Bayerischen Rundfunk', dass nach wissenschaftlichen Kriterien und nicht etwa nach politischen Maßstäben entschieden werde. Da die Kommission die besonderen Risiken der Impfung von Kindern und Jugendlichen noch nicht genau kenne, neige sie derzeit zur Zurückhaltung.  

Bundesländer rechneten mit zusätzlichen Impfstoff-Dosen

Etliche Bundesländer hatten sich bereits für die Kinder-Impfkampagne gewappnet: Niedersachsen etwa wollte gut eine halbe Million Jugendliche zum Beginn und zum Ende der Sommerferien gegen das Virus impfen. Doch die Länder hatten diese Planung unter der Prämisse, dass sie zusätzliche Kontingente an Impfstoffen erhalten, vorgenommen.

Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), sagte dem Nachrichtenmagazin 'Spiegel': "Schon von Impfmobilen vor Schulen zu fabulieren, noch bevor der Impfstoff für diese Altersgruppe freigegeben, geschweige denn von der zuständigen Impfkommission empfohlen wurde, kommt einer fahrlässigen Täuschung gleich."

Bundesschülerkonferenz fordert Vorgriffrecht auf Biontech

Die Bundesschülerkonferenz forderte dennoch bereits am Donnerstag ein Vorgriffrecht auf den Impfstoff von Biontech / Pfizer. Dieses Vakzin sei auf absehbare Zukunft der einzig zugelassene Impfstoffe für unter 16-Jährige, sagte Dario Schramm, Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, den Zeitungen der 'Funke Mediengruppe'.

Nur die Hälfte der Eltern will ihre Kinder gegen Corona impfen

Sollte die Impfung für Kinder bald möglich ein, so wird etwa die Hälfte aller Eltern in Deutschland gegen das Coronavirus impfen lassen. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der 'Augsburger Allgemeinen'. Demnach seien 51 Prozent der Befragten für eine Impfung des Nachwuchses, 40 Prozent der Erziehungsberechtigten lehnen die Schutzimpfung für die Kinder dagegen derzeit ab.

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