Liebesleben

Kein Orgasmus beim Sex: Mögliche Gründe für Orgasmusstörungen

Viele Frauen haben keinen Orgasmus beim Sex. Erfahren Sie mögliche Ursachen sowie Tipps für den weiblichen Höhepunkt.

Kein Orgasmus
Sie bekommen keinen Orgasmus? Mit diesen Tipps und Tricks klappt es bestimmt. Foto: iStock / Hazal Ak

Der Mann an Ihrer Seite kommt zum Höhepunkt, doch bei Ihnen ist kein Orgasmus in Sicht? Mit diesem Problem sind Sie nicht allein. Viele Frauen fragen sich, warum es nicht klappen mag – erst recht nicht mit dem mysteriösen vaginalen Orgasmus. Zuerst einmal kann ich Sie beruhigen: Nur etwa 30 Prozent der Frauen kommen allein durch Geschlechtsverkehr zum Orgasmus. Viel einfacher wird es, wenn die Klitoris stimuliert wird. Viele Frauen erreichen ihren Höhepunkt, wenn sie beim Oralsex, mit der Hand oder mit einem Vibrator verwöhnt werden. Das ist eigentlich kein Problem, sondern ein Anlass, das sexuelle Repertoire in der Beziehung zu erweitern. Wenn Sie jedoch bei keiner sexuellen Aktivität mit Ihrem Mann Orgasmen erleben, ist es hilfreich, die Ursache herauszufinden.

Warum komme ich beim Sex nicht zum Orgasmus?

Mögliche Gründe für den ausbleibenden Orgasmus aufzuspüren ist der erste Schritt, um das Problem zu lösen. Vielleicht erkennen Sie sich in den folgenden Punkte wieder.

·       Der Geschlechtsverkehr ist kurz und der Mann kümmert sich nach seiner Ejakulation nicht um die sexuelle Lust der Frau

·       Sie und / oder Ihr*e Partner*in kennen die Bedürfnisse Ihres Körpers wenig oder wissen nicht genau über die weiblichen erogenen Zonen Bescheid 

·       Sie setzen sich unter Druck oder fühlen sich unter Druck gesetzt, beispielsweise, einen vaginalen Orgasmus erleben zu müssen

·       Hormonelle Veränderungen während des Menstruationszyklus und in den Wechseljahren können ebenfalls eine Rolle spielen

·       Traumatische Erlebnisse, zum Beispiel Gewalterfahrungen oder eine sexualfeindliche Erziehung sind mögliche Gründe für den fehlenden Orgasmus

·       Körperliche Leiden nach Unfall, Krankheit oder Operationen können den Orgasmus verzögern oder einschränken.

Medikamente wie Antidepressiva und die Pille können die sexuelle Lust und die vaginale Feuchtigkeit reduzieren und somit für Scheidentrockenheit sorgen.

Was hilft Frauen, die keinen Orgasmus bekommen?

Viele Frauen sind frustriert oder fühlen sich unzureichend, wenn sie nicht zum Orgasmus kommen. Auch in der Beziehung kann es zu Konflikten kommen, wenn der Mann nicht versteht, wo das Problem liegt. Doch in den meisten Fällen kann man einen Weg zum Orgasmus finden. Die Fähigkeit zum Höhepunkt ist in jedem Körper angelegt – ob Mann oder Frau. Leider gibt es nach wie vor Vorurteile und Mythen über weibliche Sexualität. Diese können Sie beseitigen, indem Sie sich informieren und sich selbst immer besser kennenlernen. Lesen Sie nun unsere besten Tipps für mehr Lust und Orgasmen. 

Kein Orgasmus: Offen mit dem Partner oder der Partnerin sprechen

In einer Beziehung betrifft das Thema Orgasmus Sie beide. Schließlich sind interagieren Sie bei sexueller Stimulation miteinander und möchten sich gegenseitig erregen. Doch nicht immer ist dem Gegenüber klar, was für Sie die richtige Stimulation ist. Auch das Sprechen über Orgasmen und Lust fällt nicht allen leicht. Manchmal stehen Angst oder verletzte Gefühle im Raum.

Kommunikationsspiele nehmen den Druck heraus und helfen, das Thema spielerisch anzugehen. Im Kartenspiel "Talk About" finden Sie Statements rund um Körper, Sexualität, Kommunikation und Alltag. Sie bewerten von 1 bis 4, wie sehr sie der jeweiligen Aussagen zustimmen oder nicht. Ihr*e Partner*in tut das Gleiche. Der Vorteil an dem von Sexualtherapeuten*innen entwickelten Spiel: Man orientiert sich an vorgegebenen Aussagen, statt frei sprechen zu müssen. Außerdem geht es nicht nur um Sexualität, sondern man kann mit Fragen zum Alltag einsteigen. So ist die Hemmschwelle niedriger. 

Für sinnliche Stimmung sorgen

Eine meiner Lieblingsübungen stammt aus dem Buch "Komm, wie du willst" von der Sexualwissenschaftlerin Emily Nagoski. Es geht darum, den eigenen "sexuellen Kontext" zu verstehen – also, was Sie anmacht und in Stimmung bringt. Erinnern Sie sich an ein Erlebnis, bei dem sie viel Lust und Erregung erlebt haben? Wo fand es statt, was genau ist passiert, wie waren die Umstände? Notieren Sie möglichst viele Details. Ein solches Gedankenspiel hilft Ihnen, zu verstehen, welche Rahmenbedingungen Ihre Lust entfachen. Bei der Erfahrung muss es nicht zu Sex oder zu einem Orgasmus gekommen sein. Es geht vielmehr um die Atmosphäre. 

Mit dieser Inspiration können Sie Ihre nächste sexuelle Begegnung gestalten – und auch den Weg dahin. Vielleicht laden Sie Ihren Mann auf ein Candle-Light-Dinner zu Hause oder zu einer gegenseitigen Massage ein? Wichtig ist, dass Sie sich entspannt und sicher fühlen. Auch eine angenehme Temperatur spielt eine wichtige Rolle: Kalte Füße gelten als Hindernis beim Orgasmus. 

Noch ein Tipp: Wenn Sie einmal richtig tief in das Thema weibliche Lust eintauchen wollen, bestellen Sie sich das großartige Buch der Sex-Expertin gleich dazu.

Kein Orgasmus: Regelmäßig masturbieren

Eine Frau, die ihre Bedürfnisse kennt, kann sie ihrem Mann oder ihrer Frau kommunizieren. Und der beste Weg, sie zu entdecken, ist Selbstbefriedigung. Dabei lernen Sie, welche Berührungen Ihrer Klitoris und Ihrer Vagina gefallen. Wie ein Instrument oder eine Sprache kann man auch guten Sex lernen - und mit der Zeit immer bessere Orgasmen,  vielleicht sogar multiple Orgasmen erleben.

Mein Tipp: Erkunden Sie sich mit Ihren Händen und legen Sie sich ein, zwei gute Sextoys zu. Gleitgel ist wichtig, damit es nicht schmerzhaft reibt, sondern angenehm stimuliert. Es gibt viele verschiedene Arten von Sexspielzeug, daher stelle ich Ihnen die wichtigsten zum Einstieg vor.

Ein Vibrator ist das Sex-Toy schlechthin für die Frau. Zu Recht. Denn man kann ihn für die äußere klitorale Stimulation nutzen als auch in die Vagina einführen. So bieten sich viele Optionen, den eigenen Körper zu erforschen. rleben. Der Ultra Power Bullet von Satisfyer ist kostengünstig, handlich - und hat trotzdem volle Power und Vibration.

Falls Sie zu den Frauen zählen, die auch beim Solosex schwer zum Orgasmus kommen, sehen Sie sich den Druckwellenstimulator Womanizer an. Er stimuliert die Klitoris mittels Unter- und Überdruck. Diese Art der Stimulation wurde erst 2014 erfunden. Ein klitoraler Orgasmus wurde dadurch auch mancher Frau möglich, bei der es bislang nicht geklappt hatte. Außerdem ist der Womanizer auch toll beim Sex zu zweit einsetzbar – zum Beispiel in der Hündchenstellung.

Kein Orgasmus: Die Vagina sensibilisieren

Viele Mythen ranken sich um den vaginalen Orgasmus. Sigmund Freud behauptete einst, der sei dem klitoralen Orgasmus überlegen. Das ist Unsinn, denn tatsächlich ist die Klitoris an jedem Orgasmus beteiligt. Sie ist in Wahrheit nämlich etwa elf Zentimeter groß. Sichtbar ist nur die runde Klitorisperle, die Schwellkörper der Klitoris liegen im Inneren des Körpers.

Ein vaginaler Orgasmus ist also eigentlich auch ein klitoraler Höhepunkt. Man kann aber trainieren, durch vaginale Stimulation zum Orgasmus zu kommen. Die Vagina reagiert vor allem auf Massage und Druck, weshalb die klassische Rein-Raus-Bewegung oft nicht ausreicht. Einen vaginalen Orgasmus erreichen Sie leichter, wenn Sie den G-Punkt und weitere Lustpunkte sensibilisieren.

Das geht mit den Fingern oder mit ergonomisch geformten G-Punkt Vibratoren. Führen Sie Ihren Finger oder den Ihres Partners oder Ihrer Partnerin etwa fünf Zentimeter ein, bis Sie eine geriffelte, raue Fläche spüren. Machen Sie dann eine lockende "Komm-Her-Bewegung" Richtung Bauchdecke. Sie können dies mit äußerer Stimulation (zum Beispiel mit einem Vibrator, Hand oder Zunge) kombinieren. Dies erhöht die Chance auf den weiblichen Orgasmus weiter. 

Noch ein Tipp: Wenn Sie das Thema vaginaler Orgasmus und Sensibilisierung der Vagina interessiert, empfehle ich Ihnen das Buch "Coming Soon" von Dania Schiftan. Die Schweizer Sexualtherapeutin erklärt in zehn Schritten, wie Sie zum vaginalen Höhepunkt kommen. 

Die Beckenbodenmuskulatur trainieren

Auch die Beckenbodenmuskeln spielen beim sexuellen Empfinden der Frau eine große Rolle. Wenn Ihr Beckenboden gut trainiert ist, spüren nicht nur Sie mehr in der Vagina, sondern auch Ihr Partner an seinem Penis. Liebeskugeln sind das perfekte Utensil zum Üben. Es gibt sie in unterschiedlichen Größen und Gewichten. Am besten fangen Sie mit leichten Kugeln an und steigern Ihr Training allmählich. Zu Beginn können Sie sich preiswerte Liebeskugeln wie die von EIS. Sie haben einen mittleren Durchmesser von drei cm und eine schwingende Kugel im Inneren, wodurch das Beckenbodentraining effektiver und lustvoller wird. 

Oder Sie greifen zur Luxus-Variante und beziehen den Mann an Ihrer Seite mit ein. Die Liebeskugeln von WeVibe kommen im Set mit drei verschiedenen Gewichten und einem Durchmesser zwischen 1,8 und 3,3 cm. Doch nicht nur das Gewicht kann man wechseln, sondern auch die Vibrationsmodi. Zehn voreingestellte Programme sind enthalten. Zusätzlich kann man über die WeVibe Connect App eigene generieren. In zartem Pastellorange sind die Liebeskugeln außerdem extrem hübsch anzusehen.

Nicht unter Druck setzen lassen

Wann klappt es endlich mit dem Orgasmus? Wie kann ich ihn endlich erreichen? Es ist verständlich, wenn Sie sich das fragen, aber leider nicht zielführend. Sich Druck machen oder Druck von anderen zu bekommen, hat noch keine Frau näher zum Höhepunkt gebracht. Tauschen Sie sich gern mit einer vertrauten Freundin aus, wenn Sie möchten – vielleicht geht es ihr ja ähnlich. Aber vergleichen Sie sich nicht mit anderen Frauen, denn jede von uns hat eine andere sexuelle Biografie. Manche hatten zahlreiche Liebhaber*innen oder One-Night-Stands, manche eine*n einzige*n Sexualpartner*in. Manche wurden offen, manche lustfeindlich erzogen. Doch es ist nie zu spät, die eigene Sexualität zu entdecken und zu erweitern. Um sich im Bett fallenzulassen und zum Höhepunkt zu kommen, braucht es vor allem Wertschätzung (auch für sich selbst!) und gute Kommunikation. 

Manche Männer, die sich fragen, ob bei der Frau an ihrer Seite etwas körperlich kaputt ist, kennen sich nicht besonders gut mit dem weiblichen Orgasmus aus. Sie wissen womöglich nicht, dass es keinen isolierten vaginalen Orgasmus gibt, sondern die Klitoris immer der Auslöser ist. Doch auch Männer haben so ihre Sex-Probleme und -Sorgen. Manche haben Angst, dass der Penis nicht (mehr) zuverlässig hart bleibt oder die sexuelle Leistungsfähigkeit im Alter nachlässt. Wenn Sie sich gegenseitig wertschätzen und mit Spielarten der Erregung experimentieren, können Sie beide nur gewinnen. 

Noch ein Buchtipp: Das Nachfolgework "Keep it Coming" von Sexualtherapeutin Dania Schiftan erklärt, wie man guten Sex lernt und beibehält. Es ist vorrangig für Frauen geschrieben, enthält aber in jedem Kapitel auch Passagen für den Mann.

Kein Orgasmus: Wann sollte ich mit einer Fachperson sprechen?

Wenn Sie bis hierher gelesen haben, haben Sie vermutlich schon einiges an Wissen aufgesogen – Glückwunsch! Wenn Sie dennoch das Gefühl haben, allein mit dem Thema nicht weiterzukommen, können Sie immer das Angebot einer Fachperson in Anspruch nehmen. Ihr*e Gynäkolog*in hilft Ihnen bei medizinischen Anliegen. Weitere Ansprechpartner sind Paarberater und Sexualtherapeuten. Denn wir Menschen sind individuell, die Ursachen hinter sexuellen Funktionsstörungen bzw. sexuellen Problemen sind es auch. Wenn also Ihr Leidensdruck hoch ist, Sie sich niedergeschlagen fühlen oder es immer wieder Konflikte in Ihrer Beziehung gibt, zögern Sie nicht, sich an einen Profi zu wenden. Sicher wird Ihnen gern geholfen.

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